Spaziergänge waren längst keine entspannten
gemeinsamen Momente mehr.
An der Leine ging der Rhodesian Ridgeback
massiv nach vorne – gegen andere Hunde
ebenso wie gegen Menschen.
Für seine Besitzer wirkten manche seiner Reaktionen
beinahe wahllos.
Außerhalb des Hauses wurde er mit Maulkorb geführt.
An einen entspannten Restaurantbesuch
mit diesem großen, kräftigen Hund
war überhaupt nicht zu denken.
Besonders seine Besitzerin konnte seine enorme Kraft
teilweise kaum halten.
Einmal stürzte sie sogar,
als er sich mit voller Kraft in die Leine warf.
Auch zuhause gab es Situationen gegenüber dem Ehemann,
die von der Familie als Angriff erlebt wurden
und die sie nicht mehr einordnen konnte.
Die Sorge,
dass irgendwann wirklich etwas passieren könnte,
war so groß geworden,
dass die Familie bereits darüber nachdachte,
den Hund zum Züchter zurückzugeben.
Dann fanden sie meine Website.
Mein Besuch war ihr letzter Versuch.
Wenn wir keinen Weg finden würden,
sollte der Hund die Familie verlassen.
Ich blieb zwei Tage.
Und hinter dem Verhalten,
das so bedrohlich wirkte,
begegnete mir ein Hund mit enormer Energie
und viel Frust.
Für mich war er nicht einfach
ein „gefährlicher Hund“.
Sein Verhalten hatte Gründe.
Und genau die mussten wir verstehen.
Ich zeigte seinen Menschen,
was ich in bestimmten Situationen sah.
Wir veränderten ihren Umgang mit ihm,
arbeiteten an seiner Orientierung
und fanden Möglichkeiten,
seine enorme Energie in andere Bahnen zu lenken.
Nach diesen beiden intensiven Tagen
lief dieser große Rhodesian Ridgeback
geregelt an der Leine neben seinen Menschen.
Seine Energie war immer noch da.
Aber plötzlich hatte sie eine Richtung.
Zum Abschluss machten wir etwas,
das sich seine Besitzer vorher mit ihm
kaum hätten vorstellen können:
Wir gingen gemeinsam zum Borussia-Park.
Menschen.
Bewegung.
Eine fremde Umgebung.
Und mittendrin dieser Hund.
Dort entstand das Foto,
das Sie oben sehen.
Das Schönste an dieser Geschichte
ist für mich aber nicht dieses eine Erlebnis.
Der Hund durfte bleiben.
Heute lebt er weiterhin bei seiner Familie.
Aus dem Hund,
dessen Abgabe bereits im Raum stand,
ist für seine Menschen ein großartiger Begleiter geworden,
der mit deutlich mehr Ruhe und Gelassenheit
mit ihnen zusammenlebt.
Für mich erzählt diese Geschichte deshalb nicht
von einem „gefährlichen Hund“,
den jemand in zwei Tagen repariert hat.
Sie erzählt von einem Hund,
der verstanden werden wollte –
und von Menschen,
die bereit waren,
ihn neu zu verstehen.